Eine Beobachtungsnacht am Auerberg

Nacht von Freitag, den 31. Mai, auf Samstag, den 1. Juni 2019

Mit Marine und Saad.


Am Freitag kam ich gegen 13:15 mit dem Auto am vereinbarten Treffunkt an, um Marine und Saad mitzunehmen,
zwei junge Mitglieder der Sternwarte. Wir hatten schon länger eine gemeinsame Spechtelaktion ins Auge gefasst,
und es sollte mit Übernachtung draußen am Platz sein. Vom Wetter her sah es nach Westen hin insgesamt besser
aus, auch was die hohe Bewölkung betraf. Ich habe mich für den Auerberg entschieden, nicht nur wegen der schon
allgemein recht guten Himmelsqualität, sondern auch wegen seiner tollen Lage als Aussichtsbalkon vor den Bergen;
unser Beobachtungsplatz liegt rund 1000 Meter hoch. Ich hatte wieder den "Fünfling" dabei, mein insgesamt nur
fünf Kilogramm schweres 9,5-Zoll-Fernrohr.

Wir hatten uns bewusst so früh getroffen, um vor der Beobachtung noch etwas an der frischen Luft zu unternehmen.
So bin ich bei Peißenberg von der klassischen Route abgewichen, um den beiden ein Stück wilde Natur zu zeigen:
An der Stelle, wo die Ammer in eine lange Schlucht eintaucht, gibt es einen tollen Felsdurchbruch; dabei konnten
wir auch einigen Kajakfahrern an der Stromschnelle der "Scheibum" zuschauen. Eine Umleitung hinter Steingaden
führte uns schließlich um den ganzen Südhang des Auerbergs herum zurück nach Osten - durch satte grüne Wiesen,
immer mit schönem Alpenblick rechts für meine Mitfahrer. Gegen 17:30 kamen wir oben an, und sind nach einer
ersten Besichtigung des Platzes im nahen Gasthaus eingekehrt, um uns auf der gemütlichen Terasse für die Nacht
zu stärken.

Vom Parkplatz geht es über eine kleine Kuppe zu unserem Ziel


Saad und Marine an den Bänken


Als wir ankamen war es noch meist bewölkt. Aber es kam wie von den Wetterberichten angekündigt: Die Wolken
lockerten mehr und mehr auf, und waren die Wolkenlücken anfangs noch recht verzirrt, wich ihre Farbe zusehends
einem tieferen Blau. Marine und Saad hat der Platz sehr gut gefallen, mit den Bänken und der tollen Aussicht, und
den zum Abend hin immer besser wahrnehmbaren Lauten der Natur.

Am 9,5-Zoll Fünfling ...


... mit dem Sternatlas


Wir kamen mit einer Familie ins Gespräch, die die Volkssternwarte in München kannte. Insgesamt hatte der Berg
einige Ausflügler angelockt, sei es primär zur Einkehr im Wirtshaus, sei es zum Wandern oder Joggen, oder auch
um sich den Sonnenuntergang anzuschauen - für letzteres gibt es an der Wegkuppe eine Bank mit Westblick, die
am Abend auch aus diesem Grund besetzt war.


Wir haben den Einbruch der Nacht auf "unseren" Bänken abgewartet. Marine machte auf die ersten sichtbar werdenden
Sterne aufmerksam, Arktur und Wega. Etwas später wurde der Fünfling gemeinschaftlich an der Wega justiert: Marine
schaute durch das Okular, und dirigierte Saad und mich - jeder an einer der beiden Justierschrauben des Hauptspiegels -
in welche Richtung wir unsere Schraube jeweils drehen sollten, bis es passte.

Saad ist begeistert ...

Das Wetter gestaltete sich sehr erfreulich, der Himmel wurde fast durchgehend klar; mitunter gab es durchziehende
Zirren, die dann zum Morgen hin gehäufter am Westhimmel auftraten. Auch wenn der Auerberg keinen Hochgebirgs-
himmel hat, die Bedingungen sind gerade was den Süden betrifft wirklich respektabel. Daher war es kein Wunder, dass
Saad begeistert war: Er meinte, das sei der beste Himmel gewesen, an dem er je beobachtet hat - besonders bezogen auf
die Milchstraße; bislang hatte er nur im S-Bahnbereich von München, und einmal am Taubenberg dazu Gelegenheit. Die
klassischen Sommerhighlights wie z.B. M11 haben ihn im Fünfling richtig beindruckt; desgleichen die Spiralstruktur
bei M51, oder das Galaxiengewühl im Zentrum des Virgohaufens.

... und Marine übernimmt

Marine hatte schon vorab einige Objekte im Visier, und wieder große Freude daran, diese per Starhopping einzustellen.
Das habe ich gerne unterstützt, und mich, ähnlich wie am ITT, meist wieder gemütlich zurückgelehnt - nur zum Buffet
gerufen, wenn Marine ein neues Objekt kredenzt hat ;-) Ein paar der Objekte habe ich auch selber eingestellt, und ab
und an bat Marine um eine kleine Hilfestellung, etwa wenn es um größere Sternmuster direkt am Himmel ging -
wie z.B. die Lage des Kugelhaufens M5 relativ zum Schlange-Hauptstern Unuk.

Marine hat einen detaillierten Bericht zu dieser Nacht erstellt, und ich gebe diesen im Folgenden wieder:

Saad und Marine am Abend- ...

... und später am Morgenhimmel

Der Bericht von Marine:


"Vega: an diesem Stern habe ich das Justieren mit Sternscheibchen nochmal geübt

Doppelsterne:

Galaxien:

Kugelsternhaufen:

Marine und Ben

Saad und Ben

Offene Sternhaufen:

Planetarys:

Gasnebel:

Im Fernglas wurden auch einige andere Dinge betrachtet:

Der Vollständigkeit halber: Die gemachten Stimmungsbilder sind fast genauso heiße Kandidaten
für den Highlight-Thron, die sind gigantisch. Tolle Erinnerungen!"


Arktur, Großer Wagen und Marine

Das war der tolle Bericht von Marine. Bei der Beobachtung vom Draco-Triplett habe ich ganz ähnliche Details
gesehen. In der Galaxiengruppe nahe 109 Vir konnte ich in NGC 5746 selbst eine zentrale Verdickung ("Bulge")
wahrnehmen, und auch die Nachbargalaxie NGC 5740 gut erkannt; NGC 5738 habe ich nicht erkannt, der Himmel
war in dem Areal aber auch etwas aufgehellt. Nach 3:00 machten sich die ersten Anzeichen der Morgendämmerung
bemerkbar, und wir zogen uns in unsere Schlafsäcke zurück.

Am Morgen

Nach rund drei Stunden Schlaf wurde ich wach, kurz bevor die Morgensonne meinen Schlafplatz erreicht hatte.
Die teils noch ziemlich verschneite Alpenkette glänzte im Morgenlicht - ein sehr schöner Anblick. Wir hatten
alle etwas zum Frühstück dabei, ich zusätzlich noch die kleine Extra-Thermoskanne mit Tee für den Morgen.
Wir waren zwar müde, aber noch frisch unter dem Eindruck der schönen Spechtelnacht :) Die Heimfahrt verlief
problemlos, gegen 9:30 konnte ich meine Mitbeobachter an der S-Bahn am Hauptbahnhof wieder absetzen.

Eine sehr schöne Aktion, die Stimmung entspannt und heiter, und gleichzeitig konzentriert und begeistert
für unser Hobby :)


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