Eineinhalb klare Nächte auf der Emberger Alm

Donnerstag, den 4. Oktober, bis Sonntag, den 7. Oktober 2018

Haley und ich waren wieder mit dabei - wie sollte es anders sein -, bei Haley war es das 34.ste, bei mir
das 31.ste ITT. Und dann Michael, der auf der Alm mittlerweile auch Stammgast geworden ist. Wir drei
hatten im Auto alle noch Plätze frei, so konnte Michael die Elena, Haley die Carolin und ich die Marine
mitnehmen: Unser weiblicher VSW-Nachwuchs trug dann kräftig dazu bei, den Altersdurchschnitt auf
der Hütte signifikant zu senken ;-) Komplettiert wurde unsere Gruppe von Dieter und Nora, die am
Donnerstag als erste angekommen waren.

Der Donnerstag bot sich als Anreisetag an, da die meisten Wetterseiten im Internet schon seit ein paar Tagen
vorhersagten, dass erst die Nacht auf Freitag wieder richtig klar sein würde. Und sie gaben auch der nächsten
Nacht auf Samstag noch gute Chancen, während irgendwann am Wochenende von Westen her schlechteres
Wetter hereinkommen sollte. So kam es dann auch, und bis auf Elena und Michael - die erst Freitag abend
kommen konnten - sind wir alle im Lauf des Donnerstag auf der Alm eingetroffen. Und nicht zu vergessen
unsere "Außenstation" draußen auf den Wiesen: Günter und Stefan waren wie gewohnt mit von der Partie !

Auf den Westlichen Wiesen: v.l. Günter, Stefan und Johannes (re.)


Caro und Marine


Günter und Haley hatten wieder ihre 16-Zoll Dobsons mit dabei, und ich habe mein 9,5-Zoll Fernrohr zum ersten
Mal auf das ITT ausgeführt. So war die VSW-Delegation auf den Westlichen Wiesen von den Fernrohren her wieder
gut bestückt ! Die erste Nacht wurde durchgehend klar, aber teils feucht, während wir in der zweiten Nacht etwa
bis Mitternacht beobachten konnten, ehe es zuzog. Haley hat die beiden Nächte wieder sehr gut dokumentiert, und
so gebe ihm dazu in weiten Teilen das Wort :)

Marine mit dem 9,5-Zoll "Fünfling"


Fernrohre mit Erdschatten, re. Günter's 16-Zöller (Bild: Stefan (Allgäu))


Nächtliche Begegnungen

Es gab wieder nette Begegnungen am ITT, für einen kleinen Ratsch, und auch um etwas miteinander zu spechteln.
Der nächtliche Besuch von Günter aus Wien bei uns ist ja schon alte Tradition, und zudem hatte sich heuer auch
Christopher - Teil der in der Beobachterszene bekannten vier "Freunde der Nacht" - mit seiner Familie am ITT
einquartiert. Wir hatten ja schon am BTM 2016 miteinander beobachtet, und auch diesmal blieb er eine Zeitlang
in unserer Ecke. Ich zeigte ihm den Fünfling in Aktion, und wir haben Objekte wie den Hantelnebel M27 oder
IC 10 in der Cassiopeia angeschaut; das Licht dieser Galaxie kämpft sich nur mühsam durch die Milchstraße,
und da konnte ich im Fünfling indirekt ein schwaches Leuchten ausmachen - schon nah am Limit.

Ein bisserl Vorruhestand im Regiestuhl ;-)

Haley und ich standen nicht mal drei Wochen nach der Rückkehr aus Südafrika noch immer stark unter dem Eindruck
unseres Urlaubs beim Hottie. Die zwölf Nächte unter den südlichen Sternen hatten uns ja eine fantastische Ausbeute
an tollen Objekten beschert. Diese Objekte hatten wir uns aber erst erarbeiten müssen, klar - teils vorher recherchieren,
und dann per Starhopping einstellen. Dagegen konnten wir es am ITT diesmal viel gemütlicher angehen: Nicht immer
nur selber einstellen, sondern im Gegenteil öfters mal bequem im "Regiestuhl" zurücklehnen - besonders in der zweiten
Nacht - und nur dann mal zum Fernrohr herüber zu kommen, wenn ein neues Objekt kredenzt wurde. Wir ließen uns
also richtig bedienen, aber dieser Dienst geschah aus freien Stücken: Wir haben an der VSW München mittlerweile
nämlich begeisterten Spechtelnachwuchs. Vor allem Marine war ganz erpicht darauf, an Haley's 16-Zöller Objekte
zu suchen und einzustellen. Und wir haben keinerlei Anstalten gemacht, ihren Tatendrang in irgendeiner Weise zu
bremsen ;-) Im Gegenteil, ich hab Marine öfters noch ermuntert: "Mir fällt da noch ein tolles Objekt ein".

Erste Nacht: v.l. Ben, Marine, Nora, Dieter, Caro und Haley ...


... mit 9,5"-Fünfling und 16"-Hodor im Einsatz


Erste Nacht Donnerstag / Freitag

Nach dem gemütlichen Abendessen in der Gaststube bei Angelika ging es auf die Westlichen Wiesen, Haley notiert:
" ... die Meute strebt raus zum Beobachten. Also wird Hodor kurz justiert und ist dann startklar. Da dies ja die erste
Spechtelnacht nach dem Urlaub beim Hottie ist, will ich gewissermaßen da weitermachen, wo ich am Südhimmel
aufgehört habe. Das ist bei M22, der nach kurzer Rührerei tief aufgelöst und glitzernd im 13 Ethos prangt. ... Ich
nehme SS Sct mit und den hübschen Wollball 6712 natürlich auch, der ist so schön flauschig. Das gefällt auch der
Marine, die wißbegierig und selbstbewusst ihr angesammeltes Deep Sky Wissen anwendet. Für sie wird der M71
eingestellt, im Sternenfeld eingebettete Kristalle. M27 wird gleich nachgereicht, der knallt derb, das ganz ohne
Filter. Im Fünfling zeigt Ben den M13, jetzt sind wir gewissermaßen wieder spechtelmäßig daheim angekommen.

Marine begehrt die M31 und stellt diese Prachtgalaxis selber im Hodor ein. Kommt wunderbar strukturiert, schön
die Staubstreifen und der helle Kern, natürlich mit dem knalligen M32 und 205 als zarte, große Wolke. Dann sucht
sie selber nach 891 und stellt die ebenfalls ein. Das Display erfreut alle, es bildet sich gleich eine richtige Schlange.
891 ist selbstredend kameldornfeist mit epischem, gefrästem Staubstreifen. Toll! Es kommt der Wunsch nach 7331
auf. Ich zeige die mal her, erstklassig im 13er, die drei Begleiter 7335, 7337 und 7340 zeichnen sehr anständig, viel
besser, als vor einiger Zeit in Pfünz. Das kommt schon extrem cremig daher. Dann natürlich Stephans Quintet. Nur
noch feist, im 13er kommt schon viel an, im 6er gibt’s dann alle fünf. Besonders schön die nahe beieinander stehenden
Kerne von 7318 A und B. Während der Ben Stimmungsaufnahmen macht, schwenke ich zu M33, weil diese Teleskop-
stellung gewünscht wird. M33 ist, nebenbei festgestellt, voll grenzgeschmeidig, fette rechtsgewickelte Spirale und
604 gleißt auch voll hell. Davor war ich kurz bei h und Chi, sonnenhelle Diamanten. Marine rührt wieder herum und
sucht nach 7789, der ist auch fast wie ein Nadelkissen. Voll hübsch."

Caro zeigte besonderes Interesse an diesem tollen dichten Sternhaufen, wird er doch als Caroline's haystack geführt -
nach der deutschen Astronomin Caroline Herschel, die von 1750 bis 1848 lebte, und u.a. mehrere Kometen entdeckte.

Haley und Günter vor dem aufsteigenden Orion (Bild: Stefan (Allgäu))


Ich gebe wieder Haley das Wort:

"[Mars] hätte ich wohl ausgelassen, aber die Mädels wollten ihn sehen. Ich nehme die überraschend gute Scheibe mit
nunmehr wieder deutlicher Phase gerne mit. Obwohl das Ding sautief steht, hats sogar noch eine Polkappe und etwas
fleckig ist er auch. Erwartungen werden hier übertroffen. Marine hat den 7293 noch nicht gescheit gesehen, das wird
jetzt nachgeholt. Leider neigt das 13er etwas zum Beschlagen, es fühlt sich auch alles ziemlich kalt und klamm an,
obwohl es noch keinen Frost hat. Das Auge des Ra ist gigantisch, ich verwende nun das 20er Nagler. Da ist es schon
geil, hier paßt das UHC Filter, da ist nochmal eine satte Steigerung drin. Im Fünfling prangt der Nordamerika Nebel,
der ist auch extrem kontrastreich und sehr detailliert. Nun Cirrus: Alle Nebelteile zeichnen fulminant. Kralle und DNS
sind der Öffnung entsprechend spektakulär. Ich lasse die Mädels mal mit dem Hodor allein, weil ich muß mich in der
Hütte aufwärmen und Schreibpause machen. ...

Dann wird es feucht ...

Danach wird gar nicht mehr so viel gespechtelt, weil es kalt und klamm geworden ist. Im Fünfling gibt es noch einen
vielsagenden Orionnebel. Weil der Fangspiegel vom Hodor dann beschlagen ist, ist es mit dem Spaß auch schnell vorbei.
Zum Ende ist Reif auf dem Auto, das sagt schon ziemlich viel aus. Die Mädels ziehen sich die Sternhaufen im Auriga und
die Plaejaden rein. Extrem spektakulär ist der Mondaufgang mit dem aschgrauen Licht voraus, so daß erstmal nur ein
dunkelgrauer Ball über dem Bergkamm aufgeht, gefolgt von den zwei Hörnerspitzen, todesgeil im Papilio! Mit der dicken
Mondsichel am Start ist es fast schlagartig deutlich heller und der Platz leert sich schnell. War eine schöne Spechtelnacht."

Morgenhimmel mit Mond (Bild: Stefan (Allgäu))


Zweite Nacht Freitag / Samstag

Haley fährt fort: "Vor dem Starten der heutigen Photoexperimente wird am Hodor mit M16 und M17 angewärmt, die sind
durchaus spektakulär, selbst ohne Filter. Alsdann dürfen die Mädels wieder mit dem Klampfer rumrühren. Marine hat sich
als optimales, gelocktes GoTo mit großem Wissensdurst und Spechteleifer erwiesen. Ich kriege gar nicht so viel mit, was
da so alles abgespechtelt wird. Dafür hat Brezen [Günter] in seinem Dicken einen brüllfeisten Cirrus Nebel eingestellt.
Sehr lecker im O III Filter. Die Ricoh wird gestartet. Um den Hodor herrscht ein reges Treiben, fast wie am Volksfest.
Ben und ich ziehen uns, wie alte Männer in die Regiestühle zurück und beobachten das Ganze amüsiert und gelassen.
Gelegentlich gibt’s dann was Interessantes zu sehen. So stellt Ben den 6781 ein. Dieser PN lohnt schon, im 6er Ethos
schon richtig grenzgenial.

Danach probiert jemand den Mars. Der kulminiert gerade, daß er so unglaublich tief steht fühlt sich irgendwie verkehrt an.
Vor 3 Wochen mit Mars im Zenit, das hat sich richtig angefühlt. Der Mars ist im 6er, das noch drin war, nett, aber zu stark
vergrößert. Besser ist es im 13er Ethos. Da schaut der Rote Planet durchaus respektabel aus, so mit Phase, Polkappe und
dunklen Flecken. Später hat es Marine geschafft, den 7008 zu finden, was gar nicht so leicht ist. Wenigstens ist heute der
Sucher nicht beschlagen, weil es erfreulich trocken ist. Der Embryonebel ist todesfeist, im 13er schon knallig. Im 6er
richtig gigafeist mit Strukturen und Feldsternen. Marine ist jetzt von Ben offiziell in die Riege der Spechtler aufgenommen,
weil sie ganz allein Jones 1 gefunden hat. Dazu war das O III Filter im 13er Nagler vonnöten, dann geht’s auch gut. Also
der Jones 1 ist toll, wenn man wieder genug adaptiert ist. Dann sehe ich die ganze Scheibe mit dem aufgesetzten Kopfhörer."

In unserer Ecke (Bild: Stefan (Allgäu) - Standbild aus seinem Video)

Haley weiter:

"Johannes aus Ravensburg hat ein geniales, selbstgebautes, teilweise gedrucktes Glas nach dem Galileo Prinzip dabei. Es
vergrößert 2x, zeigt aber ein riesen Gesichtsfeld. Damit kann man völlig problemlos M31 und M33 in einem Feld sehen,
sogar M81, das ist aber grenzwertig und M13 knallig, sowie M92. Nur noch feist! Es wird der Andromedanebel im Hodor
eingestellt. Dazu kommt das 20er Nagler rein. M32 und 205 sind grandios, Kontrast ist bombig, die Galaxis erstreckt
sich über fast vier Gesichtsfelder. Terafeist auch die Staubbänder dazu. Marine macht sich wieder auf die Suche und
zwar nach 891, die jetzt nah an der Kulmination steht. Es hat die ganze Zeit schon im Süden herumgewölkt. Die Serie
vom Cirrusnebel hat bereits ein paar richtige Cirren abgekriegt, was mich dazu animiert hat, weitere 20 Aufnahmen
draufzusatteln. Die 891 erscheint kurzzeitig grandios, noch im 20er. Es zieht jetzt zu! Die Wolken erreichen schnell
die Andromeda, so daß ich das Verblassen des Staubbandes im 20er miterlebe. Somit geht Hodor in den Ruhemodus.

Da es zwar bedeckt, aber irgendwie lauschig ist wird noch länger geratscht. Der Hodor wird soweit abgebaut, daß er bei
Bedarf morgen schnell wieder einsatzklar ist, aber die Plane nicht voll aufgefaltet werden muß. Mit Brezen wird in den
Gartenstühlen bei einer gepflegten Halbe Allgäuer Bier noch über alte Zeiten geschwärmt. Schlagartig bin ich allein und
pilgere gen Bett. Lustigerweise ist die Hütte schon zugesperrt, leider muß ich den Michi wecken, der war aber noch nicht
lange in der Heia. Sehr entspannt komme ich auf diese Weise noch vor vier Uhr ins Bett. Das ist ja richtig früh."

Zwei Aufnahmen von Günter Pfeffer: Cirrusnebel ...


... und Kokonnebel



Wanderung auf den Knoten (2215 m)

Am Freitag haben wir bei schönem Wetter wieder mal eine Wanderung auf den Knoten gemacht. Zuerst geht es auf
einem Forstweg eher eben nach Westen, ehe rechts ein kleiner Pfad in den Wald hinauf führt. Hier wechseln sich Wald
und teils sumpfige Wiesen ab, es geht am Südhang entlang. Schließlich führt der eigentliche Anstieg recht steil auf ein
Hochplateau, das schon oberhalb der Baumgrenze liegt. Die Landschaft erinnert mich an Schottland.

Aufstieg mit herbstlichen Lärchen, ...

... den Südhang entlang, ...

... und auf dem Hochplateau das Ziel im Blick

Der Knoten ist nun im Blick, und am Sattel liegt die Abzweigung rechts zum Einsee. Zum Schluß geht es noch recht gach
auf den Gipfel hinauf. Das ist immer wieder eine schöne Tour !

Haley schreibt dazu: "Ich habe es geschafft, ausreichend zu schlafen, trotz leichter morgendlicher Hektik in der Hütte.
Der Trupp begehrt beim Aufstehen schon eine Bergwanderung, aber das Zeitfenster reicht, um ohne Hektik zu frühstücken.
Alsbald brechen wir gen Knoten auf, bombastisches Bergwetter mit tiefblauem Himmel verspricht eine grandiose Tour und
etwa zwei Stunden später stehen wir relativ entspannt auf dem Knotengipfel."

Am Knotengipfel

v.l. Haley, Marine, Ben, Dieter und Nora


Am Abstieg, mit der Hochtristen (2535 m) - ...

... die im Lauf der Jahre auch immer wieder Gipfelziel war



Und am Samstag habe ich es gemütlich angehen lassen, Leute getroffen, und seit vielen Jahren auch mal wieder etwas bei der
Tombola gewonnen: Ein Astrokäppi mit eingebauter Rotlicht-Stirnleuchte ! Die letzte Nacht auf Sonntag war dann bewölkt, und
wir konnten uns bei der Angelika - diesmal im Zwischengang nahe am Tresen - ohne Spechtelstress einem sehr reichhaltigen
Abendessen widmen ;-). Was Marine und mir am Sonntag auch eine ausgeschlafene Heimfahrt ermöglichte: Rund 290 Kilometer
über den Felbertauern, den Pass Thurn - wo wir wie am Hinweg eine Pause machten - Kitzbühel und Kössen. Das war wieder
ein sehr nettes ITT - so schee scho :).


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