Eine Nacht am ITV 2015 (Vogelsberg)

Ankunft am Freitag, 15. Mai 2015

Heuer war die Wetterprognose für Mitteldeutschland besser als für die Alpen, und so kam ich erst gar nicht in Versuchung, wie letztes
Jahr etwa zum Jaufenpass zu fahren. Diesmal war ITV angesagt, aber da die Nacht Do/Fr noch keine guten Aussichten hatte, bin ich erst
Freitag die etwa 440 Kilometer von München angereist. Ich war mit meinem alten Münchner Spechtelfreund Friedhelm Hübner verabredet,
der seit 12 Jahren wieder nahe seiner Mainzer Heimat im Rheingau wohnt. Die Prognose war aber nur für die erste Nacht auf Samstag gut,
sodass ich diesmal "nur" meinen antiken 10-Zoll Coulter dabei hatte: Ich hatte ohnehin vor, in dieser Nacht viel unterwegs zu sein, um am
Buffet teilzuhaben, das nicht zuletzt von alten Freunden wie Raffael Benner an seinem 30-Zöller alljährlich veranstaltet wird. Und das
Wetter sollte mitspielen, zumindest für diese eine Nacht; insgesamt kamen bis Samstag nachmittag wieder etwa 450 Teilnehmer.

Am Gederner See, unser Standort liegt mittig hinter den Bäumen


Ich stellte mich erneut im hinteren Teil auf, und war damit wieder in Nachbarschaft zu Raffael, und wie schon
in 2011 auch zu Jürgen Breitung, der von seiner Frau Ulrike begleitet wurde.

Friedhelm und Ben mit "antikem" 10-Zöller

Friedhelm und Jörg Peters (vor seinem 25-Zöller)

V.l. Tassilo, Ben u. Walter (früherer ITV-Veranstalter)

An der zentralen "Hauptstraße" des Treffens

Es wurde allmählich dunkel ...

,... und aufgrund der relativ nördlichen Position von knapp über 50 Grad ging das recht langsam - da ist es Mitte Mai nicht mehr
allzu lange "richtig dunkel". Aber die Niederschläge der letzten Tage dürften den Himmel schön freigeputzt haben: Nach einem
vielversprechend klaren Nachmittag blieb auch die Nacht durchgehend klar, und es wurde eine der besten Nächte, die ich an
diesem Standort bisher erlebt habe. Trotz der relativen Nähe zu Frankfurt/Rhein-Main kam die Milchstraße nach Mitternacht
sehr schön heraus: Timm Klose und ein weiterer Beobachter vermeldeten in Bezug auf den Grad an Himmelsaufhellung
beachtlich gute SQM-Werte im Bereich von 21,3 - was also relativ dunkel bedeutet.

22:39 MESZ: Jürgen, Ulrike und Friedhelm am 22-Zöller

An Jürgens 22-Zöller wurden im Laufe der Nacht viele klassische Highlights gereicht, immer wieder neu zubereitet auch für
vorbeikommende Gäste. Und gerade klassische Frühlingsgalaxien wie M51, M64, NGC 4631, NGC 4565 oder M82 zeigten
wieder mal eine Menge an Details. Zwischendrin hatte Friedhelm auch mal die Gruppe NGC 3729 / NGC 3718 eingestellt ;
bei letzterer konnte man das zentrale Staubband ausmachen, sowie auch einiges an "Mottling" in der nahen Galaxiengruppe
Hickson 56 erkennen.

Friedhelm am Okular, rechts Jürgen

1:43 MESZ: Ben am alten 10-Zöller

Zwischendurch ging ich mal für etwa anderthalb Stunden auf Wanderschaft, um noch an ein paar anderen Buffets zu naschen.
Und wie man es seit vielen Jahren kennt, war der Andrang an Raffaels großem Dobson am größten:

0:08 MESZ: Raffael am 30-Zöller, das Publikum wartet auf Kugelhaufen M56

Martin Brückner (links) an seinem 18-Zöller

Jörg spechtelt an seinem 25-Zöller

Timm und Dietmar, an Timm's 21-Zöller

Bei Jörg gab es auch eine sehr detailreiche "Fischgalaxie" NGC 4631 zu sehen. Und an Timm's Leichtbau-Fernrohr unternahmen wir eine Wanderung
in den Jagdhunden, mit M94, NGC 4485/90, NGC 4449 und M106 mit NGC 4217, sowie hinüber zum Wagenkasten mit M109. Und der Cirrusnebel
war mit dem OIII-Filter wieder mal ganz toll ! Dietmar gehört übrigens zum "Rhein-Main-Taunus Stammtisch", hier schließt sich der Kreis zu Friedhelm.

1:18 MESZ in der Händlerecke : Bei Tassilo ...

... und bei Veranstalter Martin Birkmaier wurde auch beobachtet

Die letzten beiden Stunden bis etwa 3:30 habe ich dann wieder bei uns gespechtelt: Auch mal mit meinem antiken 10-Zöller - Friedhelm
erinnerte sich an alte Zeiten und fand wie immer lobende Worte für die Qualität der Optik; hier konnte er auch mal einen weniger bekannten,
aber schön dichten offenen Haufen wie NGC 6819 im Schwan beobachten. Und an Jürgen's 22-Zöller war jetzt die Zeit für OIII-affine Highlights
wie den Cirrusnebel, den Crescentnebel NGC 6888 oder den Nordamerikanebel: Wirklich toll, wie gut das alles hier am ITV herauskam. Gegen
3:30 haben wir dann vor allem aufgrund von feuchter werdenden Optiken Schluss gemacht. Eine wirklich sehr schöne Spechtelnacht, sowohl
vom Himmel als auch den netten Begegnungen her - hat alles gepasst :)

2:24 MESZ: Jürgen an seinem Fernrohr


Samstag, 16. Mai 2015

Der morgendliche Blick aus dem Zelt zeigte schon viele Wolken, und später begann es immer wieder mal zu tröpfeln. Gegen 12:00 gab
Uli Zehndbauer sein Debüt als Preisrichter bei der Prämierung der Selbstbau-Teleskope, als Nachfolger seines langjährigen launigen
Amtsvorgängers Wolf Hartmann. "Da trete ich in große Fußstapfen", meinte Uli, der auch Organisator des BTM in Pfünz ist.

Preisrichter Uli waltet souverän seines Amtes ...

... inmitten des interessierten Publikums

Von Händlerseite wie immer mit dabei Martin ...

... sowie Joe (links) und Irmgard (rechts)

Und bei der Prämierung traf ich auch alte Bekannte zum Ratschen, so den Händler Andreas "Anderl" Rodoschegg, der
auch lange an der VSW München hauptamtlich tätig war, und mit dem ich mich an den Superwinter 1991/92 erinnerte,
als es im Voralpenland drei Monate lang meist Hochnebel hatte, dafür am Sudelfeld sehr viele klare Nächte über der
Wolkendecke. Oder Matthias aus Köln und Christian aus der Traunsteiner Gegend, die ich immer entweder hier oder
am ITT treffe. Oder der Ex-Ulmer Stefan, oder ... wenn ich hier jemand wichtiges vergessen habe, bitte melden, und ich
trage es nach ;-)

Ein Bild zum Abschied: v.l. Ulrike, Jürgen, Friedhelm und Ben


Jürgen und Ulrike fuhren nach der Prämierung, und Friedhelm traf erst noch einmal Freunde von seinem Stammtisch.
Danach studierten wir gegen 15:30 im Internet noch einmal die Wetterseiten, und die Prognose sah für die kommenden
beiden Nächte nicht gut aus, auch mit vielen Zirren. Ich hatte mir noch den Montag freigenommen, und hätte auch So/Mo
noch spechteln können, z.B wie schon angedacht in der Rhön. Jürgen stammt übrigens aus einem kleinen Dorf in der Rhön,
ganz in der Nähe der anvisierten Spechtelplätze, und bestätigte, dass der Himmel dort sehr gut sei. Aber ich fühlte mich
auch nicht ganz fit, und der Wetterbericht tat ein Übriges: Gegen vier fuhren wir dann beide noch nach Hause. Obwohl nur
kurz und nur eine Nacht: Das ITV hat sich dennoch voll gelohnt, mit einer tollen Spechtelnacht im Sinne von Hans-Georg
Schmidt, dem Erfinder des Wortes "Spechteln": gemütliches Beobachten in netter Runde. Alles sehr entspannt, schee wars :)

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